Dr. Lukas Köhler

Good News, everyone!

Dank harter Arbeit wird die Welt immer besser, und trotzdem sind viele Menschen vom Gegenteil überzeugt - Grund genug, das Thema etwas genauer auszuführen.

„Only bad news are good news“ ist eine Binsenweisheit für Medienkaufleute. Sie haben offenbar erkannt, dass schlechte Nachrichten - von denen es ja leider auch viele gibt - sich deutlich besser verkaufen, als etwa folgende Headlines: 

+++ Kriminalitätsrate gesunken - Deutschland sicher wie nie. +++ Lebenserwartung steigt weltweit - selbst in den ärmsten Regionen. +++ Kindersterblichkeit auf Minusrekord - Tendenz global sinkend. +++

Das ist kein Vorwurf. Medienkaufleute bedienen lediglich ein vorhandenes Konsuminteresse. Konsumenten ist das ebenso wenig vorzuwerfen; negative Schlagzeilen lösen in uns Menschen mehr Emotionen aus - auch, weil es eben Neuigkeiten sind! Dass der schwarze George Floyd von einem weißen Polizisten ermordet wurde, ist zwar Teil des strukturellen Rassismus, der nicht nur in den USA vorherrscht, aber ein so krasser Vorfall ist dennoch nicht alltäglich. Dass in den USA wiederum kein Amoklauf stattgefunden hat oder in Zentralafrika keine Hungersnot ausgebrochen ist, ist keine Neuigkeit und damit auch keine Schlagzeile wert, sondern „ganz normal“.

Ganz und gar nicht normal finde ich hingegen, dass ein Großteil der Menschen, vor allem in entwickelten, wohlhabenden Industrienationen, ein vollkommen falsches Bild von der Welt haben. Wenn die Gapminder-Foundation Menschen in diesem Test Frage stellt, ob die Welt tendenziell (a) besser werde, (b) gleich bleibe oder (c) schlechter werde, wissen sowohl in Deutschland als auch allen anderen Industrienationen nur die allerwenigsten, dass die richtige Antwort (a) lautet. 

Der inzwischen verstorbene Professor für Weltgesundheit, Gründer der Gapminder-Foundation und YouTube-Star Hans Rosling hat dafür in seinem Bestseller "Factfulness - Wie wir lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist" dafür Erklärungsansätze parat, die mir einleuchten: Trotz Internet aktualisieren wir unser Weltbild nicht regelmäßig und hinken in vielerlei Hinsicht um Jahrzehnte hinterher. Für wohlhabende Menschen sehe zudem alles, was nicht ihrem Reichtum entspricht, gleichermaßen arm aus. Dabei ist es aber einen riesiger Unterschied, ob jemand einen, drei oder zehn Dollar am Tag zum Leben hat. Und schließlich wird uns jedes größere Unglück in Echtzeit und brillanter Auflösung aufs Smartphone gespielt. Die Häufigkeit von Katastrophen hat zwar dramatisch abgenommen, ihre Berichtserstattung hat aber ebenso dramatisch zugenommen, und auch das trägt zur Fehlbewertung der Welt bei.

Nun bin ich kein Medienkaufmann, sondern Politiker. Klickzahlen, Auflagen oder Einschaltquoten sind keine Gütekriterien meiner Arbeit. Klar: Followerzahlen sind toll und Wählerstimmen unerlässlich und zentral. Politische Arbeit halte ich aber erst dann für erfolgreich, wenn sie zu Problemlösungen und zur tatsächlichen Verbesserungen von Lebensbedingungen beiträgt. Genau solche Fortschritte will ich euch ab heute anhand belastbarer Daten, maßgeblich zusammengetragen von dem Portal ourworldindata.org präsentieren - denn sie zeigen, dass sich die Mühe lohnt: Internationale Kooperationen, freie Marktwirtschaft und Globalisierung sind sicherlich nicht fehlerfrei, aber sie befreien nachweislich immer mehr Menschen aus der Armut.

Zugleich muss eine realistische Politik anerkennen, dass es noch immer zahlreiche Probleme gibt. Als Klimapolitiker bin ich genau damit permanent beschäftigt. Mit jetzigen Produktionsweisen werden Verbesserungen für die einen Menschen nicht selten mit Verschlechterungen für andere Menschen und Lebewesen erkauft. Das gilt in erster Linie für die Nutzung fossiler Energie und für den teils furchtbar unklugen Umgang mit den begrenzten Ressourcen dieses Planeten. Erderwärmung, Müllkrise, vergiftete Böden und Meere, dazu humanitäre Krisen, Kriege und Flucht - was nicht selten direkt miteinander zusammenhängt … Trotz vieler Fortschritte ist all das noch immer bittere Realität, die es zu verbessern gilt. Dabei sehe ich zwei wichtige Faktoren: die Tendenz der Entwicklungen und die Geschwindigkeit.

Bei der Geschwindigkeit müssen wir noch deutlich besser werden, das zeigen auch die regelmäßigen Reporte zum Fortschritt der Ziele für Nachhaltige Entwicklung. Die gute Nachricht hingegen lautet: die Richtung stimmt! Natürlich sind noch nicht alle Probleme gelöst, aber in einem solchen Idealzustand hat sich die Welt auch noch nie befunden. Schauen wir hingegen, was hinter uns liegt, wird deutlich: Verbesserungen sind nicht nur nötig, sie sind auch möglich. 

Solche Fortschritte anzuerkennen ist ausgesprochen wichtig! Denn wer weiterhin von der falschen Tatsache ausgeht, „alles“ werde „immer schlechter", kann zynisch oder panisch werden. Nicht selten entsteht dabei der Wunsch, „das System“ zu kippen. Ein System jedoch zu kippen, mit dem tatsächlich Probleme gelöst werden, ist ausgesprochen gefährlich. Stattdessen müssen wir die Mechanismen des Fortschritts erkennen und ausbauen, dabei Fehler finden und korrigieren — diese Mechanismen aber keineswegs abschaffen! Denn angesichts eines wachsenden Energiebedarfs auf einer begrenzten Erde ist der Ruf nach Askese so unattraktiv wie aussichtslos. Durch Verzicht können wir lediglich den Einsatz schlechter Technologien reduzieren. Dass der Preis dafür verdammt hoch ist und das Ergebnis nicht ansatzweise ausreicht, können wir ganz aktuell in der Coronakrise beobachten. Statt also jetzige Fehler zu reduzieren müssen wir unsere Wirtschaftsweise optimieren: Wir brauchen nicht weniger Technologie, weniger Konsum und weniger Wirtschaft, sondern andere Formen davon - bessere!

Durch gute Ideen können wir mit gutem Gewissen ein gutes Leben führen. Dass wir Menschen diesen Weg bereits eingeschlagen haben, zeige ich euch in meiner GoodNewsWeek: Ab heute könnt ihr jeden Tag ausgesprochen gute Nachrichten auf meinen Social-Media Kanälen lesen. Denn Tränen gibt es bekanntlich schon genug auf dieser Welt.

Damit wünsche ich euch einen guten Start in diese Woche, die ich - jetzt erst recht - zur Woche der guten Nachrichten erklären will, 
 
Euer Lukas Köhler